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bogenbau

Bogenbau

Bogentypen und Einsatzbereiche

Ahorn, Haselnuss oder Eibe sind zu empfehlen und am besten für Bogenbau geeignet, Ahorn für einen langbogen, Eibe für einen recurvebogen und haselnuss für einen flachbogen.

Primitiv-Bogen

Ein Primitiv-Bogen (Traditioneller Bogen) ist in seiner extremsten Form ein aus einem Stück Holz gefertigter Bogen (Selfbow) ohne Schussfenster (Shelf), ohne einen schmaleren Griffbereich, ohne Pfeilauflage, ohne Backing und ohne Griffleder. Die Sehne ist aus Naturmaterialien gefertigt. Beim Schießen mit dem Primitiv-Bogen wird der Pfeil auf der Hand am Bogen aufgelegt. Zwischen dem ganz einfachen Primitiv-Bogen und dem Langbogen gibt es fließende Übergänge. In Europa verwendete Hölzer sind z. B. Eibe, Esche, Ahorn und Akazie.

Langbogen

Langbogen gibt es als Holzbogen aus einem Stück (englisch: Selfbow), aus laminierten Holzstreifen oder mit auf- oder eingelegten Kunststoffen. Dabei kommen vor allem Fiberglaslaminate für den Belag der Bauch- und Rückenseite zum Einsatz, sowie Carbonfaser als Schichtlaminat.

Im traditionellen Bogenbau wird zwischen Langbogen englischer und amerikanischer Bauart unterschieden. Englische Langbögen haben über die gesamte Länge einen D-förmigen Querschnitt und einen runden Griff, meist mit einer Lederwicklung. Man spricht dabei von einem Stabbogen. Amerikanische Langbogen (Flachbogen) besitzen flache Wurfarme und einen der Hand stärker angepassten Griff.

Englische Langbögen sind aus Eibenholz gefertigt und haben einen ovalen Bogenarmquerschnitt. Im Gegensatz dazu weisen z.B. die Indianerbögen Nordamerikas einen rechteckigen Bogenarmquerschnitt auf.

Recurve-Bogen

Recurve (englisch: zurückgebogen) steht für das Hauptmerkmal dieses Bogentyps, die zurückgebogene Form der Wurfarmenden. Die Begriffe Recurvebogen und Reflexbogen werden synonym verwandt. Dieser Bogentyp kommt aus dem Asiatischen Raum und ist dem Langbogen in der Effizienz überlegen. Die ältesten Nachweise dieses Bogentyps sind die zahlreichen Felsbilder aus der Zeit der Cardialkeramik im 7. Jt. v. Chr. an der spanischen Mittelmeerküste, auf denen Krieger oder Jäger mit Recurvebogen abgebildet sind. Recurvebogen (Reflexbogen) speichern in ihren Wurfarmen mehr Energie und haben daher einen höheren Wirkungsgrad als Flachbogen und Langbogen. Die anliegenden Sehnen dämpfen außerdem den Handschock nach dem Schuss. Im ägyptischen Theben wurden Exemplare dieses Typs gefunden, die wahrscheinlich assyrischer Herkunft waren und vermutlich aus der Zeit um 1.200 Jahren v. Chr. stammen.

Im Unterschied zum Langbogen sind beim Recurvebogen die Enden der Wurfarme so stark nach vorn gebogen, dass die Sehne nach dem Schuss anliegt. Dadurch gibt sie ihre gesamte Restenergie an das Bogensystem ab und schwingt nicht nach, was zu einem ruhigeren Schuss führt. Durch die Kompositbauweise - die bei Reflexbogen die Regel darstellt - kann dieser weiter gespannt werden als ein Langbogen oder Flachbogen und hat dabei dennoch einen weicheren Auszug. Die starke Vorspannung der Wurfarme bedingt allerdings auch eine wesentlich größere Belastbarkeit des Materials.

Der Recurvebogen lässt Präzisionsschüsse auf lange Distanzen zu. Frauen können bis 70m und Männer bis 90m mit ein wenig Übung ein Ziel in der Größe einer CD-Hülle treffen. Der Recurvebogen ist eine Olympische Disziplin und daher in der Welt populär.

Anfängerbogen (Schulbogen)

Der klassische Schulbogen ist ein Recurve-Bogen, dies aus einer ganzen Reihe von Gründen.

Der „Schüler“ sollte zunächst die Grundlagen eines sehr präziese festgelegten Schussablaufes erlernen, dies ist mit einem Recurve ungleich leichter, da Beginnerbögen entsprechend wenig Zuggewicht haben und den Anfänger damit nicht gleich physisch in Bereichen, der bis dahin völlig untrainierten Muskulatur überfordern.

Auch wenn man sich später einem Compoundbogen zuwenden sollte, sind die zuvor per Recurve erlernten Grundlagen gut verinnerlicht und anschließend auch beim Schießen mit einem Compound von grossem Vorteil.

Viel mehr zu diesem Thema findest du hier:

Compoundbogen

Der Compoundbogen besitzt an den Bogenenden des Bogens drehbare Räder, die sogenannten Camwheels, kurz Cams genannt. Sie verfügen über zwei verschiedene Durchmesser, auf denen Kabel oder Sehne aufgerollt sind. Im ungespannten Zustand ist auf dem größeren der beiden Räder die Sehne aufgerollt. Beim Spannen des Bogens wird die Sehne vom großen Rad abgerollt und auf dem kleinen Rad wird das am gegenüberliegenden Wurfarm befestigte Kabel aufgerollt. Die Cams sind zusätzlich exzentrisch aufgehängt.

Moderne Compoundbögen wenden wie bei einem Wellrad das Hebelgesetz an. Die sich nach außen wegdrehende Rolle ist wie ein starrer Hebel, der auf die Drehachse wirkt. Durch die exzentrische Aufhängung der Rollen/Cams verändert sich der Angriffswinkel und der Hebelarm, der Bogen arbeitet so immer im effektivsten Bereich. Werden die Rollen/Cams mit der Bogensehne nach außen gezogen, verlängert sich der Hebelarm. Diese Mechanismen sind beim Compoundbogen in einer praktischen Anwendung umgesetzt. Dadurch ergibt sich im Gegensatz zu anderen Bogen ein nicht-linearer Kraftverlauf beim Auszug: Mit steigendem Auszug nimmt die Kraft zunächst stetig zu (wie auch bei anderen Bogen), um dann aber beim Überschreiten des sogenannten Gipfel-Zuggewichtes schlagartig abzunehmen. Der Bogenschütze hält dann bei voll ausgezogenem Bogen nur noch einen Bruchteil des Gipfelzuggewichtes auf der Hand. Die Zugreduzierung kann bis zu 80 % betragen, d. h. bei einem Gipfelzuggewicht von 50 Pfund muss der Schütze nur 10 Pfund im Auszug halten. Dadurch kann der Bogen ruhiger gehalten werden und das Zielen fällt wesentlich leichter.

Der Compoundbogen ist der modernste und präziseste Bogen von allen. Allerdings stecken hier auch deutlich mehr Einzelteile drin.

Der Compoundbogen schießt mit Abstand die höchsten Pfeilgeschwindigkeiten. Geschwindigkeiten von über 300 km/h für einen guten Compound sind problemlos möglich. Im Vergleich, die Geschwindigkeit für einen Recurvebogen liegt irgendwo zwischen 150 km/m und 240 km/h. Aufgrund der hohen Pfeilgeschwindigkeit erzielt der Compoundbogen einen sehr geraden Pfeilflug. Auch hier sind enorme Vorteile für den Compoundschützen vorhanden, denn dies macht die Pfeile nicht so anfällig für Wind und Regen.

Materialien

Holz

Ein Backing (englisch: Verstärkung des Bogenrückens, gemeint ist die Vorderseite des Bogens, an der Bauchseite befindet sich die Sehne), auch Lamination (Beschichtung) genannt, ist ein in Streifen geschnittener Bambus oder anderer Hölzer, die Zugbelastung gut vertragen. Sehnen von Großtieren oder Tierroh-haut, werden auf die Vorderseite eines Bogens geklebt, um die starke Zugbelastung aufzunehmen.

Die wirkungsvollste Form eines Backings ist die mit Sehne. Je nach Holzart muss das Backing dicker, beziehungsweise dünner sein, damit der Holzteil des Bogens keine Kompressionsbrüche bekommt.

Bei Eibe wird dies eigentlich nicht benötigt, da das Splintholz (Außenbereich) der Eibe über hervorragende Zugeigenschaften verfügt, das Kernholz (Innenbereich) wiederum hohen Druck standhält. Das Splintholz kann sich sehr gut dehnen und das Kernholz gut komprimieren.

Die ersten Bögen sollen in Europa aus Ulmen- und Eschenholz und später aus Eibenholz gewesen sein, grundsätzlich kann man aber aus jedem Holz einen guten Bogen bauen. Den Eigenschaften nach, soll Eibenholz aber das beste Holz für Bögen sein: http://de.wikipedia.org/wiki/Bogen_%28Waffe%29#Backings

Horn

Horn hält eine doppelte Druckbelastung aus wie Holz.

Sehne

Tiersehnen haben im Vergleich zu Holz eine ca. vierfache Zugfestigkeit.

Kompositbauweise

Zur Herstellung von Kompositbögen wurden in einem aufwändigen, bis zu zwei Jahre dauernden Verfahren verschiedene Schichten von Holz und Tierhorn verleimt und mit Sehnen umwickelt. Die Funktion des Holzes beschränkte sich dabei z. T. auf das bloße Tragen der tierischen Materialien. Das Ergebnis war eine gegenüber traditionellen Bögen kleinere Waffe mit dennoch hoher Spannkraft, die sich hervorragend für Reiter eignete.

Der Vorteil von Sehnen und Horn besteht in ihrer höheren Fähigkeit, Energie zu speichern und auch wieder an den Pfeil abzugeben. Die Effizienz eines solchen gut gebauten Kompositbogens mit entsprechender möglicher Formgebung ist höher als die eines konventionellen Bogens aus Holz, der bei identischem Layout sofort brechen würde. Mongolische und türkische Reiterbögen hatten ein Zuggewicht von durchschnittlich 75 Pfund und schossen speziell abgestimmte leichte Pfeile 500 bis 800 m weit.

Schießstile

Beim mongolischen Schießstil (asiatisch) liegt der Pfeil auch auf der „Außenkante“ des Bogens. Auch da hält der Daumen die Sehne und löst sie. Die mongolischen Bögen sind symmetrisch.

Entscheidend für die Position des Pfeils ist die Frage, wie der Bogen gespannt wird, europäisch mit drei Fingern, oder asiatisch mit dem Daumen. Davon ist abhängig, in welche Richtung die Sehne von den Fingern bzw. Daumen gleitet. Der Pfeil liegt immer auf der Seite dieser Richtung, bei drei Fingern links, beim Daumen somit rechts. Dies ist erforderlich, um zu vermeiden, dass der Pfeil beim Abschuss am Bogen anschlägt. Wird der Schuss gelöst, krümmt sich der Pfeil zuerst in die Bogenmitte, dann durch die eigene Elastizität in die entgegengesetzte Richtung. Genau zu diesem Zeitpunkt passiert der Pfeil den Bogen und wird somit nicht abgelenkt. Der Pfeil gleitet nicht die ganze Zeit bis zum Verlassen der Sehne entlang des Bogens.

wie ist die Rechtslage beim Bogenschießen in Bezug auf das Waffenrecht

Das neue Waffengesetz gibt eindeutig an, dass Bögen keine Waffen sind, und deshalb aus dem Waffengesetz herausfallen. Anders gesagt: Bögen sind in Deutschland reine Sportgeräte, wie Tennisschläger, Golfschläger, Fußbälle usw.

bogenbau.txt · Zuletzt geändert: 2016/04/13 00:49 (Externe Bearbeitung)